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Bachfest Leipzig 2009:

Peter Neumann kombiniert Bach und Mendelssohn


»Dicht, logisch, spannend

Leipziger Nikolaikirche: Warum darf er nicht klatschen nach der Bachkantate, die doch so schön war? Es werde im Programmheft darum gebeten, erst am Ende des Konzerts zu applaudieren, wird ihm zugeraunt. Nun, er fügt sich und hat schon nach dem nächsten Stück kein Bedürfnis mehr, die Spannung zu zerreißen, die Peter Neumann aufbaut mit der Gestaltung seines Programms mit dem Kölner Kammerchor, dem Collegium Cartusianum und Solisten: Wenn er seine Hand erhoben hält, Johann Sebastian Bachs Kantate "Gott der Herr ist Sonn und Schild" BWV 79 nahtlos Felix Mendelssohn Bartholdys Kyrie d-moll anschließt, um gleich die nächste Bachkantate folgen zu lassen.
Dicht ist die Textur, logisch die Struktur, spannend der Inhalt dieses Konzerts, das die Kantaten "Ach Gott, vom Himmel sieh darein" von Bach (BWV 2) und Mendelssohn ins Zentrum stellt und einen Vergleich der beiden Vertonungen der Luther-Adaption des 12. Psalms ermö glicht. Und dabei den Werdegang des Komponisten Mendelssohn illustriert, vom "Kyrie" eines 16-Jährigen über die Choralkantate, deren zweite Strophe des Eingangschores an die Volkschöre aus Bachs Johannespassion erinnert, bis zum Meisterwerk "Der 114. Psalm" op. 51, wo der romantische Mendelssohn ganz bei sich angekommen ist.
Was den Zuhörern reizvolle Kontraste bietet, erfordert stilsichere Interpretation.
Streicher, Hörner und Trompeten mit allen Facetten zwischen dezenter Akkuratesse und festlichem Pomp, sinnlicher Flöte und klagender Oboe. Die Solisten machen die Sache rund: Johanna Winkel besticht mit feinfühliger Gestaltung und klarem Sopran, Margot Oitzinger steuert einen Alt mit bernsteinfarbenem Timbre bei, während Markus Brutschers geschmeidiger Tenor gern mal freudig hüpft. Andreas Wolf erweist sich als der Wandlungsfähigste: Sein Bass-Bariton kann alles - von Streicheleinheit bis zu stählerner Strahlkraft.
Der Kölner Kammerchor modelliert einen plastischen Bach mit fein differenzierter Dynamik, homogener Stimmführung und ausgezeichneter Artikulation. Liegen bei Mendelssohns Kyrie noch die Einzelstränge bloß, so hat der 114. Psalm dann das fehlende Bindegewebe, gibt es romantischen Schmelz und Klangpracht in Vollendung.
Nach diesem grandiosen Finale ist auch der englische Gast im Mittelschiff zufrieden: Jetzt darf er klatschen. Er tut es ausgiebig und begeistert, wie alle anderen Zuhörer in der voll besetzten Nikolaikirche. »
Birgit Hendrich, LVZ/Leipziger-Volkszeitung, 15.06.2009



»Höhepunkte des Festivals waren die unter der Leitung von Peter Neumann mit dem Kölner Kammerchor und dem Collegium Cartusianum aufgeführten Kirchenwerke Johann Sebastian Bach (1685-1750) und Mendelssohns...»
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Bachfest Schaffhausen 2009:

Ein grandioses musikalisches Erlebnis


»Das nach einem Text von Barthold Brockes von Händel vertonte Passionsoratorium erwies sich als ein grossartiges musikalisches Erlebnis.
Ausführende von hoher Leistungskraft und Ausstrahlung gestalteten am Sonntag das zweite Festkonzert des 23. Internationalen Bachfestes in der Kirche St. Johann. Der Kölner Kammerchor und das Collegium Cartusianum, zusammen mit acht Vokalsolistinnen und -solisten, widmeten sich unter der Leitung von Peter Neumann dem Passionsoratorium »Der für die Sünden der Welt gemarterte und sterbende Jesus», einem spätbarocken religiös-dramatischen Werk von Georg Friedrich Händel. Es handelt sich dabei um einen deutschen Passionstext, den noch ein halbes Dutzend anderer Komponisten als Libretto verwendeten.
Sein Autor ist der Hamburger Jurist und Ratsherr Barthold Heinrich Brockes (1680–1747), der zwar kein bedeutender Dichter war, aber manchen Kritikern als Neuerer galt, weil sein Text formal vom Spätbarock zur Aufklärung überleitet. Es gab damals — Händel schrieb das Werk 1716 in London — bereits eine heisse Diskussion darüber, ob ein Passionstext sich wörtlich nach der Bibel richten müsse oder ob auch Nachdichtungen in Versform angemessen seien. Der gereimte Text von Brockes handelt von der vorösterlichen Abendmahleinsetzung bis zu Jesu Tod am Kreuz.
Das mit einer kurzen Sinfonia beginnende Werk ist aufgebaut nach den bekannten oratorischen Formen von Rezitativ und Arie, von dramatischen Chorpartien und Chorälen sowie von ariosen Partien für Vokalensembles und Instrumentalsoli. Dem als Händel-Interpret besonders geschätzten Peter Neumann gelang mit der schlanken, perfekt musizierenden Orchesterbesetzung eine nuancenreiche Interpretation von filigraner Durchsichtigkeit und mitreissender Dramatik. Dazu trugen der Chor und die Vokalsolisten das Ihre bei mit bestechender Gesangskultur und plastischer Gestaltung der von Händel intendierten Affekte. Die Solopartien sangen: Nele Gramß und Johanna Winkel, Sopran; Elvira Bill, Mezzosopran; Jan Thomer, Altus; Markus Brutscher und James Oxley, Tenor, sowie Markus Flaig und Michael Dahmen, Bass.
Das umfangreiche Werk hat eine prachtvolle Architektur mit abwechslungsreicher Harmonik und packenden Szenen, die von den Ausführenden mit geradezu bildhafter Ausdruckskraft dargestellt wurden. Händel hat hier neben den bekannten biblischen Figuren noch eine Tochter Zion und eine gläubige Seele mit bedeutenden Aussagen und ausgedehnten betrachtenden Partien ins Spiel gebracht. Die in dieser Aufführung damit betrauten Soprane haben Wundervolles geleistet an expressiver und gesangstechnischer Gestaltung &Mdash; so, wie überhaupt jede und jeder einzelne der Vokalsolisten Bewunderung auslösten! Auch was der Chor an deklamatorischer Intensität und Klanggestaltung realisiert hat, war packend. Peter Neumann hat den dramatischen und geistlichen Gehalt dieser Passion zu einem unvergesslichen Erlebnis ausgestaltet. Der Applaus wollte denn auch nicht enden. »
Monica Zahner, Schaffhauser Nachrichten

Rheingau Musik Festival 2007


Doch der ist ein rechter Held, der stets sich selbst bezwang!


»Bei der grandiosen Händel-Lesart mit dem Kölner Kammerchor im Rheingau kann man noch etwas lernen

Woher die Puritaner aller Länder die Kraft nehmen, mit Herzensfeuer und Willenseifer zu ihren Ideen zu stehen, das ließ die Aufführung von Georg Friedrich Händels "Saul" beim Rheingau- Musik-Festival ahnen. Anscheinend haben die vielen Jahre historischer Aufführungspraxis mit zart hüpfenden Klangbewegungen in terpentinverdünnten Händelfarben einen falschen Eindruck von den Tugendbotschaften der weltergreifenden englischen Bürgerschaft des 18. Jahrhunderts entstehen lassen. Jetzt, in der Basilika von Kloster Eberbach, klang der alttestamentarische Identifikationsstoff gar nicht nach Beruhigungs- und Betrachtungs-Dosierung. Hier konnte ein gefesseltes und zuletzt hingerissenes Publikum vielmehr am eigenen Körper erleben, wie durchrüttelnd und konzentrierend das puritanische Selbstbeherrschungsprogramm musikalisch wirken kann. "Wer Städte siegreich stürmt im Feld, / Wer käm' ihm gleich an Rang? / Doch der ist erst ein rechter Held, / der stets sich selbst bezwang! / Der ragt vor allen groß und gut / der dämpft in stark gefasstem Mut / den Wahnsinn seiner blinden Wut!" Das kam als klangliche Vollwertkost daher, die Peter Neumann mit nicht nachlassender Verve den dreißig grandiosen Kehlen des Kölner Kammerchors und den auf historischen Instrumenten spielenden Musikern des Collegium Cartusianum entlockte. Eine Kalorienbombe, die das gefürchtete dreistündige Händel-Referat wie im Flug vergehen ließ. Dabei war es nicht so, dass nur die mit Kontur und dissonanzgesä ttigter Harmonik bestückten Rollen des bösen israelitischen Establishments Hochspannung in das alttestamentarische Geschehen brachten. Neumanns interpretatorisches Feuer machte gerade auch aus den Partien der Guten um dem mit Steinschleuder und Harfe gleichermaßen vertraut Umgang habenden jungen David eine Offenbarung an sublimer, sinnenbetörender Innerlichkeit. Das ging natürlich nur, weil der Counter Alex Potter eine Vokalität in das Kirchenschiff einströmen ließ, dass es die Steine erweichte. Nicht nach stand ihm der furiose Sopran von Simone Kermes - ein Triumph an Phrasierungsgeschmeidigkeit zwischen Pianissimohauch und blankem Espressivo-Lodern. Fast lupenrein war die Stimme von Myung-Hee Hyun, exzellent in der Durchschlagskraft und der charakteristischen Farbigkeit die von Konstantin Wolff als König Saul. Pointiert und beweglich auch die Stimmen von Nicholas Phan, Georg Poplutz und Torben Jürgens. Wie reichhaltig die Ausdruckspalette des Händelschen Orchesters ist, wie hymnisch-erratisch und unverzagt aufflammend die Chöre bei größter Luzidität agieren können - das war ein Erlebnis der Sonderklasse. So singen Völker in der Wüste, die auserwählt sind, Großes zu schaffen.»
von Bernhard Uske, Frankfurter Rundschau


AKTUELLES

Im Januar ist unsere neue CD erschienen:

G.F. HÄNDEL: Brockes-Passion
Carus 83.428 (2 CDs)

"Im Bereich der Händel-Interpretation setzt diese Einspielung einen neuen Standard."
Bernhard Morbach, rbb kulturradio

"Nicht nur für Telemanns Brockes-Passion liegt aber eine exemplarische Neueinspielung vor, sondern ebenso für Händels «Konkurrenzwerk»... Wer diese emotionsgeladene Interpretation hört, muss sich wundern, dass das Werk heutzutage eher ein Schattendasein unter den Händel-Oratorien wie unter den barocken Passionsvertonungen insgesamt fristet."
CONCERTO, Februar/März 2010
weitere Informationen...

Kölner Kammerchor, Collegium Cartusianum | See-Hyoung Chang | Hansaring 94 | D-50670 Köln | E-Mail: s.chang@koelner-kammerchor.de